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Passivdampfen, erhitzter Tabak und Shisha: Alle setzen schädliche Substanzen frei, die von Anwesenden eingeatmet werden können – auch ohne direkten Konsum. E-Zigaretten geben ultrafeine Partikel und toxische Verbindungen in die Raumluft ab. Erhitzter Tabak erzeugt Rauch, der reizende oder krebserregende Stoffe enthält. Auch die Shisha setzt das Umfeld einer dichten und gefährlichen Rauchwolke aus – teils in Mengen, die dem Konsum von hundert Zigaretten in einer einzigen Sitzung entsprechen
Kann der Dampf von E-Zigaretten auch für Personen in der Umgebung schädlich sein?
Und was ist mit erhitztem Tabak, den die Hersteller als «rauchfreie Alternative» vermarkten?
Oder mit der Shisha, die oft als harmlos angesehen wird?
Wir werden sehen: Alle diese Produkte bergen Gesundheitsrisiken – auch für Menschen in der Nähe der Konsumierenden.
Die Elektronische Zigarette (auch E-Zigarette, Vape genannt)
Bevor wir über Passivdampfen sprechen, werfen wir einen Blick auf die Risiken des aktiven E-Zigarettenkonsums: Oft heisst es, sie seien weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten. Doch eine wissenschaftliche Übersicht (Sahu et al., 2023), die auf 60 Studien basiert, zeigt: E-Zigaretten enthalten mehrere bekannte toxische oder krebserregende Substanzen – darunter Formaldehyd, Acrolein und Schwermetalle. Langzeitstudien fehlen noch, da E-Zigaretten erst seit den 2010er-Jahren verbreitet sind. Doch biologische Marker bei Dampfer:innen zeigen, dass der Körper deutlich auf diese Stoffe reagiert – teils ähnlich wie bei Raucher:innen.
Wenn E-Zigaretten für die Konsumierenden schädlich sind, bedeutet das zwangsläufig: Dieselben Stoffe gelangen in die Raumluft – und können von Umstehenden eingeatmet werden. E-Zigaretten erzeugen ein chemisches Aerosol, keinen harmlosen Wasserdampf, wie oft fälschlich angenommen. Der Begriff «Dampf» ist also sachlich falsch, auch wenn er sich im Alltagsgebrauch eingebürgert hat. Die unfreiwillige Exposition gegenüber diesem Aerosol nennt man Passivdampfen: Man ist dem chemischen Gemisch aus einer E-Zigarette ungewollt ausgesetzt, obwohl man selbst nicht konsumiert.
US-Forschende (Wei-Chung Su et al., 2021) haben untersucht, was genau Menschen einatmen, die sich in der Nähe von Dampfer:innen aufhalten. Das Ergebnis ist eindeutig: Auch ohne selbst zu dampfen, atmet man einen Teil der freigesetzten Substanzen ein – darunter ultrafeine Partikel, die bis in die empfindlichsten Lungenbereiche, den Alveolen, wo der Gasaustausch mit dem Blut stattfindet, vordringen.
Deshalb machen Schweizer und europäische Gesetze keinen Unterschied zwischen Rauchen und Dampfen: Das Verbot in geschlossenen öffentlichen Räumen gilt auch für E-Zigaretten – zum Schutz der Umstehenden.
Erhitzter Tabak
Seit einigen Jahren bewerben Tabakkonzerne neue Produkte wie «Heat-not-burn»-Sticks (z. B. IQOS von Philip Morris oder glo von BAT). Das Versprechen klingt verlockend: Keine Verbrennung, also weniger Schadstoffe. Die Produkte werden als «sauberere Alternative» zur Zigarette präsentiert.
Doch Vorsicht: Diese Geräte erzeugen keinen harmlosen Wasserdampf. Im wissenschaftlichen Sinne handelt es sich auch hier um Rauch.
Analysen zeigen: Erhitzter Tabak setzt toxische Substanzen frei – teilweise in ähnlicher Konzentration wie herkömmliche Zigaretten. Dazu gehören Nikotin, Acrolein, Formaldehyd, PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Schwermetalle usw. (Auer et al., 2017). Viele dieser Stoffe sind reizend, krebserregend oder schädlich für Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Einige Studien weisen darauf hin, dass die biologischen Effekte (Entzündungen, oxidativer Stress, Zellveränderungen) jenen bei Raucher:innen ähneln.
Wer sich in der Nähe einer Person aufhält, die erhitzten Tabak konsumiert, ist dem Rauch ausgesetzt. Die Emissionen können auch in Nachbarwohnungen eindringen (z. B. durch Lüftungsschächte, dünne Wände, offene Fenster), in der Luft schweben oder sich auf Oberflächen ablagern – das nennt man Tertiärrauch.
Auch wenn sich die Konzentrationen der Schadstoffe von klassischem Zigarettenrauch unterscheiden, heisst das keineswegs, dass sie harmlos sind. Im Gegenteil: Gerade Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke sind besonders empfindlich – selbst bei niedriger Dosis.
Die Shisha (auch Hookah, Wasserpfeife, Nargileh)
Die Shisha wird oft als mildere Alternative zur Zigarette dargestellt – doch dieser Eindruck täuscht. Sie birgt mindestens ebenso hohe, teilweise noch grössere Gesundheitsgefahren – sowohl für die Konsumierenden als auch für alle in ihrer Umgebung. Entgegen der verbreiteten Meinung filtert das Wasser den Rauch nicht effektiv. Der Shisha-Rauch enthält viele Schadstoffe, darunter Kohlenmonoxid, Feinstaub, Teer, Schwermetalle und krebserregende Stoffe wie PAK.
Wie bei anderen Tabakformen gelangen diese Schadstoffe in die Raumluft und werden von Umstehenden eingeatmet – unabhängig davon, ob sie selbst konsumieren. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann eine einzige Shisha-Sitzung von 45 Minuten so viel Rauch erzeugen wie der Konsum von 100 Zigaretten. Das bedeutet: Kinder, chronisch Kranke oder andere empfindliche Personen sind innerhalb kurzer Zeit einer extrem hohen Schadstoffbelastung ausgesetzt.
Shisha-Rauchen ist nicht einfach nur «ein nettes Beisammensein» – es ist auch eine massive Gesundheitsgefährdung für alle in der Nähe.
In geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen bleibt der Rauch lange in der Luft und lagert sich auf Oberflächen ab. Das erzeugt Sekundär- und Tertiärrauch und erhöht das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Umstehenden erheblich. Hinzu kommt: Die beim Shisha-Rauchen verwendete Kohle produziert zusätzliche schädliche Substanzen – ein oft unterschätzter Risikofaktor.


